Erstes Fazit

Wir sind die 3. Woche im Betrieb und wir lernen jeden Tag dazu. Allerlei Herausforderungen gilt es zu meistern und dann auch zu feiern, wenn es gelungen ist. Die Gästen sind sehr zufrieden und bringen das auch durch viele Postings, Rückmeldungen und positive Rezensionen zum Ausdruck! Das freut uns sehr. Und wenn mal etwas länger dauert oder schief geht, macht der Charm unserer Service-Kräfte vieles wieder wett. Wir wollen uns verbessern, aber perfekt muss es nicht sein. Danke für dein Verständnis.

Jeden Tag gibt es besondere Momente und entsteht Neues. Im FreuRaum treffen sich

  • Jung und Alt.
  • Akademiker und Arbeiterinnen.
  • Reiche und nicht so Begüterte.
  • Alleinstehende und Familien.
  • Schwarze, Rote, Blaue, Grüne, Pinke.
  • Juden, Christinnen, Moslems und Menschen ohne Bekenntnis.
  • Menschen, die am Laptop arbeiten oder einfach nur zur Ruhe kommen wollen….

Wir sind bunt und das freut uns riesig! Wenn wieder einmal ein neuer Gast über die Schwelle tritt, sich mit großen Augen staunend umsieht und staunend sagt: „Dass es sowas in Eisenstadt gibt! Das kenn ich nur aus New York, London oder Wien…“ dann freuen wir uns einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen. Dass Eisenstadt wirklich zur „kleinsten Großstadt der Welt wird…


Einen sehr schönen Text hat Eva Hillinger über den FreuRaum geschrieben. Er wird im Magazin „Weltengewissen“ des Europahauses erscheinen und bringt sehr schön zum Ausdruck, was der FreuRaum für das Grätzel und Eisenstadt bedeutet. Viel Freude beim Lesen:

 

Fanny Elßlergasse 3 in Eisenstadt. Bis vor einem Jahr war das ehemalige Bankgebäude eines von etlichen aufgelassenen Geschäften in der Fußgängerzone. Im vergangenen Herbst begann sich dann allmählich Leben zu regen hinter den staubigen Auslagenscheiben. Die verblassten Schriftzüge ehemaliger Lokalbetreiberinnen wurden entfernt, Sitzgelegenheiten wurden hineingeschleppt, abends drang Licht aus den Fenstern auf die Gasse, Musik und Stimmen waren zu hören.

Im Winter und Frühjahr belästigten rangierende Kleintransporter, brummende, kreischende, hämmernde Baugeräte, und stetig wachsende Schuttcontainer vor der Eingangstüre die Anrainerinnen und Nachbarn.

Seit dem 27. Juni 2019 zeigt sich ein anderes Bild: der Duft von Kaffee zieht durch die Fanny Elßlergasse, im und vor dem Haus mit der Nummer 3 sitzen Menschen an unterschiedlichsten Tischen auf bunt gestrichenen Sesseln und essen und trinken und unterhalten sich. Vintage-Sofas laden zum Knotzen ein, das altmodische Buffet ist mit Tellern und Schüsseln voll frisch zubereiteter Köstlichkeiten vollgestellt. Der FreuRaum ist eingezogen.

Es ist schon 6 Jahre her, dass eine Gruppe von Querdenkerinnen und Idealisten die Idee hatte, einen etwas anderen Begegnungsort in Eisenstadt zu schaffen. Er sollte mehr sein als ein Lokal, in dem man Hunger und Durst stillen kann. Er sollte für möglichst viele Menschen zum zweiten Wohnzimmer werden, mit Platz für Austausch und Unterhaltung, Kreativität und Entspannung. Es dauerte seine Zeit, bis das Team gebildet und ein geeignetes Geschäftsmodell gefunden war, bis Förderungen aufgestellt waren. Im Juni 2018 erfolgte die Gründung der FreuRaum eG Genossenschaft, im Oktober 2018 die Eintragung ins Firmenbuch. Die Genossenschaft ist Mitglied des Revisionsverbandes Rückenwind, einer Initiative von Heini Staudinger. Ab September startete der FreuRaum mit einem PopUp-Betrieb. Konzert und Kabarett, Lesung und Tauschmarkt, Handarbeitsrunde und Tanznachmittag machten es hunderten Menschen möglich, das ungewöhnliche Projekt kennen zu lernen. Im Februar wurde eine Betriebsanlagen- und Baugenehmigung erteilt, ab März wurde umgebaut.

FreuRaum ist ein ganz normales Lokal. FreuRaum ist aber auch eine Vision, die auf Solidarität basiert und Solidarität kreiert. Bis dato hat die Genossenschaft schon über hundert Mitglieder, das Crowdfunding in der Gründungsphase fand eifrige Unterstützerinnen und Unterstützer. Viele Freiwillige helfen mit, dass die Vision Wirklichkeit wird. Dazu kommen 6 Angestellte, eine Köchin, zwei Köche, Servicekräfte und Küchenhilfen, die durch ihre Herkunft aus Israel, Afghanistan, Syrien, Kroatien und Österreich ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen in das Speisenangebot einbringen. Gekocht wird täglich frisch aus regionalen, saisonalen, vorwiegend biologischen Zutaten, vegetarisch und vegan. Noch ist die Speisekarte klein, die Öffnungszeiten sind auf Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und den Samstag-Brunch von 10 bis 15  Uhr eingeschränkt, damit das Team sich in Ruhe aufeinander einspielen kann.

Die Beschäftigung von Menschen in herausfordernden Lebenssituationen in Zusammenarbeit mit dem AMS ist nur eines der gemeinwohlorientierten Anliegen des FreuRaum. Man will auch den Tendenzen der Wegwerfgesellschaft begegnen. Zwei mal im Monat findet ein Reparatur Café statt. Hier werden Haushaltsgeräte, technische Geräte und Textilien repariert bzw. können mit Unterstützung selbst repariert werden, um nicht vorzeitig im Müll zu landen und noch lange Freude zu bereiten.

Im Gastraum finden sich Verkaufsfächer, in denen regionale Produkte, vom Leithaberg-Gemüse über Kunsthandwerk bis zur Naturkosmetik angeboten werden. Zum Verkauf stehen auch viele der liebevoll zusammengetragenen Secondhandmöbel und Gebrauchsgegenstände, die im FreuRaum Verwendung finden.

Für Seminare und Workshops, Yoga-Stunden oder Selbsthilfegruppen steht ein Veranstaltungsraum zur Verfügung, der stunden- oder tageweise gemietet werden kann.

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten sind im FreuRaum noch vorstellbar. Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter werden nicht müde, neue Ideen zu entwickeln. In erster Linie aber geht es darum, einander mit Respekt zu begegnen, miteinander ins Gespräch zu kommen, barrierefrei Gemeinschaft zu leben. Die ersten Samen dieser Bemühungen sind bereits aufgegangen: Wenn der FreuRaum morgens um 10 seinen kleinen Gastgarten öffnet, macht sich in der Fanny Elßlergasse Grätzelstimmung breit. Ein besonders hilfsbereiter Nachbar hat dann schon den Boden gekehrt, der anfangs so schweigsame Geschäftsmann von Gegenüber kehrt für einen Morgenkaffee und einen kurzen Plausch ein, und sogar die skeptische Dame aus dem Laden am Eck winkt einen Gruß. Denn Freude ist ansteckend. Und wenn es nach den Betreiberinnen und Betreibern des FreuRaum geht, kann daraus getrost eine Epidemie werden.

 

 

 

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